Archiv für Juni 2010

Startseiten-Feature auf Indymedia

Am 10. Juli 2010 wollen zum nunmehr 8. Mal Neonazis aus dem gesamten europäischen Raum wieder ihr „Rock für Deutschland“ unter dem Motto „Deutsches Geld für deutsche Ausgaben – Raus aus dem Euro !!!“ in Gera (Thüringen) zelebrieren. Nachdem im letzten Jahr mit der Marke von 4000 (NPD intern ist die Rede von 5000) von Naziseite her ein neuer Besucher_innenrekord aufgestellt wurde und ein kompletter Stadtteil im braunen Sumpf versank, wird es in diesem Jahr breiten antifaschistischen Widerstand dagegen geben.
Dafür mobilisiert der Vorbereitungskreis, der sich aus zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Gruppen aus Thüringen und Sachsen wie der Antifaschistischen Aktion Gera, dem Aktionsbündnis Gera gegen Rechts, dem Aktionsnetzwerk Jena, Weimar gegen Rechts, Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ und vielen mehr zusammensetzt.

Mobilisierung: www.nazifeste-abschalten.tk | www.nazifeste-verhindern.de | www.gera-nazifrei.com

Weitere Informationen: Twitter | Myspace | Kampagnenstart gegen Europas größtes Nazifest | RfD verhindern! Mobi läuft weiter! | Stadtplan | Mobi-Jingle | Mobi-Video

Aktuelles: Brandanschlag auf Opferberatung | Probesitzen des Aktionsbündnis Gera gegen Rechts

Hintergrund: Interview Christian Dornbusch

Rückblicke: 2009: Gera: 4000 Neonazis auf NPD-Fest, „Rock für Deutschland“: „Gera bleibt deutsch!“ 2008: Einmal Nazis? Ständig nur Nazis! 2007: Polizei duldet erneut Neonazikonzert in Gera 2006 Open Air & Demo gegen Nazikonzert in Gera 2005: Massiver Widerstand gegen 3. NPD Open Air, Antifaproteste gegen das NPD-Open-Air in Gera 2003: Aktionen gegen „Blood & Honour“– Konzert am Samstag in Gera

Vorabenddemo: 09.07.2010 | 19 Uhr | Hauptbahnhof – Aktionstag: 10.07.2010 | 8 Uhr | Innenstadt

Indymedia-Feature

OTZ: Aktionen gegen Nazi-Propaganda-Musikfest in Gera

Der Widerstand gegen die Neonazi-Veranstaltungen in Gera in den letzten Jahren reichte nicht aus. Dieses Jahr soll er erfolgreicher sein: Ein Vorbereitungskreis verschiedenster Organisationen plant und leitet die Gegenaktivitäten.

Gera. Am 10. Juli ist es wieder soweit: „Rock für Deutschland“ kommt nach Gera. Wie im letzten Jahr soll die ganztägige Veranstaltung auf der Spielwiese unweit der Geraer Innenstadt stattfinden. 4000 Neonazis waren es damals, die die „national befreite Zone Debschwitz“ abfeierten. Die Stadt und ihre Bürger taten wenig dagegen. Rechtsrockexperte Christian Dornbusch meinte in einem Interview, dass Gera ihm die einzig bekannte Großstadt sei, in der ein solches Nazi-Großereignis in derartiger Qualität und Kontinuität beständig stattfinde.

„Rock für Deutschland“ ist kein normales Festival. Es ist eine Massenveranstaltung, bei der mit Musik und Propaganda um Nachwuchs in einer Bewegung geworben wird, welche die totale Kontrolle über das Individuum zum Ziel hat, die Euthanasie und die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs relativiert oder leugnet.

Der Widerstand dagegen in den letzten Jahren reichte nicht aus. Dieses Jahr soll er erfolgreicher sein: Ein Vorbereitungskreis verschiedenster Organisationen (Aktionsbündnis Gera, Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena, Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, Weimar gegen Rechts und viele mehr) plant und leitet die Gegenaktivitäten. Mehr als 6000 Plakate und knapp 30 000 Flyer sind nach eigenen Angaben bisher überregional verteilt worden. Das Ziel ist klar: Nach den erfolgreichen Blockaden am 14. Februar in Dresden soll nun eines der größten Nazifeste Europas verhindert werden. „Antifaschistischer Widerstand ist nicht extremistisch, sondern extrem wichtig“, wie Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera, sagte.

Losgegangen ist es bereits. Am 3. Juli wurde der Widerstand mit einem Blockadetraining geübt. Morgen von 17 bis 21 Uhr folgt im Jugendhaus Shalom Gera ein Workshop zum Thema: „Rechtsrock made in Gera.“Am 10. Juli ab 8 Uhr beginnen dann die Veranstaltungen gegen „Rock für Deutschland“ unter dem Motto „Stoppen, blockieren, verhindern“.

Kathrin Strowohl / 23.06.10 / Ostthüringer Zeitung (OTZ)

Warm-Up-Demonstration am Vorabend

Unter dem Motto „Nazifeste abschalten – immer und überall!“ wird am Vorabend eine Auftaktdemo stattfinden. Besonderes Gimmik: Endpunkt mit DJs und Kundgebung ist die Spielwiese – also genau jener Platz, den am Folgetag tausende Rassistinnen, Geschichtsrevisionistinnen und Faschistinnen für sich in Anspruch nehmen wollen um dort ihr Vernetzungstreffen bei Nazimukke und Bockwurst abzuhalten. Pennplätze und Versorgungsstruktur werden wir bereit stellen. Also: Am Vorabend zusammen demonstrieren, abfeiern und am nächsten Tag Europas größtes Nazifest stoppen, blockieren, verhindern!

Indymedia
16.06.2010: „RfD verhindern! Mobi läuft weiter!“
02.16.2010: „Kampagnenstart gegen Europas größtes Nazifest“

OTZ: Brandanschlag auf Geraer Opferberatung

Auf das Büro des „Netzes von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung“ ist ein Brandanschlag verübt worden. Ein rechtsextremer Hintergrund wird vermutet. Unbekannte hatten in der Nacht vom Freitag auf den Sonnabend den Briefkasten des Vereines angezündet.

Gera. Auf die Geraer Opferberatung in der Karl-Schurz-Straße ist ein Brandanschlag verübt worden. Ein Zeuge von der IG Metall Jugend die Gewerkschaft unterhält im selben Haus ihre Verwaltungsstelle und im Hof feierte man bemerkte den Brand und löschte, so dass größerer Schaden verhindert werden konnte. In dem Haus befinden sich nicht nur Büros, sondern auch eine Wohnung. Christel Wagner-Schurwanz , Mitarbeiterin der Opferberatungsstelle, zeigt sich entrüstet und ruft gleichsam zur Wachsamkeit auf: „Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, wie skrupellos mutmaßlich Neonazis gegen Andersdenkende vorgehen. Unseren Verein hat es wohl gerade deswegen getroffen, weil wir die Opfer von Neonaziangriffen und die Proteste gegen das NPD-Fest am 10. Juli unterstützen. Gemeint waren damit jedoch all die zivilgesellschaftlich und antifaschistisch Engagierten, die dem rechten Treiben nicht tatenlos zuschauen. Daher braucht es Solidarität mit Betroffenen und einen öffentlichen Umgang mit solchen Taten.“

Dies war nicht der erste Anschlag in Gera. Zuletzt wurden im Herbst letzten Jahres die Scheiben im Büro von Bündnis ’90/Die Grünen eingeworfen und im Dezember traf es dann zum wiederholten Male die Partei Die Linke.

Ganz offensichtlich seien die Neonazis vom derzeitigen Gegenwind überrascht und versuchen sich nun in solchen Angriffen, vermutet Wagner-Schurwanz. Denn ein breites Bündnis aus Vereinen, Parteien, Anti-Nazi-Bündnissen, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen ruft am 10. Juli zu Sitzblockaden gegen Europas größtes Nazifest auf. Sie wollen verhindern, dass sich wie im vergangenen Jahr etwa 4000 Rechte auf der Spielwiese in Gera treffen.

Zu dem Brandanschlag hat die Polizei ihre Ermittlungen aufgenommen. Einzelheiten waren dazu gestern Abend nicht zu erfahren.

Redaktion / 22.06.10 / Ostthüringer Zeitung (OTZ)

Brandanschlag auf Opferberatung

(Dokumentation der Presseerklärung)

Brandanschlag auf Opferberatung nur wenige Wochen vor Europas größtem Nazifest
Rechte Szene offenbar über Mobilisierung zu Protesten beunruhigt

Im ostthüringischen Gera wurde vergangenes Wochenende ein Brandanschlag auf das „Netz von Betroffenen Rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung“ verübt. Unbekannte hatten den Briefkasten des Vereins angezündet.
Nur durch das Eingreifen eines Zeugen konnte der Brand früh gelöscht werden. Besonders verwerflich ist dem Verein nach, dass sich in dem Gebäude neben Büroräumen auch eine Wohnung befindet. Weiterer Schaden entstand aber zum Glück nicht; Anzeige wurde erstattet.

Christel Wagner-Schurwanz, Mitarbeiterin der Opferberatung, zeigt sich entrüstet und ruft gleichsam zur Wachsamkeit auf: „dieser Vorfall zeigt wieder einmal, wie skrupellos mutmaßlich Neonazis gegen Andersdenkende vorgehen. Unseren Verein hat es wohl gerade deswegen getroffen, weil wir die Opfer von Neonaziangriffen und die Proteste gegen das NPD-Fest am 10. Juli unterstützen. Gemeint waren damit jedoch all die zivilgesellschaftlich und antifaschistisch Engagierten, die dem rechten Treiben nicht tatenlos zuschauen. Daher braucht es Solidarität mit Betroffenen und einen öffentlichen Umgang mit solchen Taten.“

Dies war nicht der erste Anschlag in Gera. Zuletzt wurden im Herbst letzten Jahres die Scheiben im Büro von Bündnis ’90/Die Grünen eingeworfen und im Dezember traf es dann zum wiederholten Male Die Linke.
Ganz offensichtlich sind die Neonazis vom derzeitigen Gegenwind überrascht und versuchen sich nun in solchen Angriffen. Denn ein breites Bündnis aus Vereinen, Parteien, Anti-Nazi-Bündnissen, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen ruft am 10. Juli zu Sitzblockaden gegen Europas größtes Nazifest auf. Sie wollen verhindern, dass sich wie im vergangenen Jahr etwa 4000 Rechte auf der Spielwiese in Gera treffen.

21.06.2010 Indymedia