Öffentlicher Druck zeigt Wirkung – kein Heimspiel für Nazifest auf Geras Spielwiese

Inzwischen begreifen sogar die Veranstalter des Nazifestes “Rock für Deutschland” um Anmelder und Thüringer NPD-Funktionär Gordon Richter anscheinend, dass sich der Widerstand gegen die “Großkundgebung mit musikalischem Rahmenprogramm” immer stärker formiert. Nicht nur, dass sich immer mehr Menschen mit der Kampagne gegen Europas größtes Nazifest solidarisieren und ihrem Unmut artikulieren, auch schränkt die Kampagne und der daraus resultierende öffentliche Druck auf Anmelder und Sympathisanten deren Handlungsspielräume erheblich ein.

Auf der Homepage der alten und neuen Nazis ist aktuell zu lesen, dass man sich nicht erneut – wie in Dresden, Berlin oder Erfurt blockieren lassen möchte – von daher werden in unfreiwillig komischer Ernsthaftigkeit Anreize propagiert, die wir an dieser Stelle wirken lassen wollen: “Die ersten 1000 Teilnehmer erhalten eine […] CD als Dankeschön für ihre Treue”. Sorge und Verzweiflung spricht aus diesen Zeilen der faschistischen “Musikfans”, die wir ihnen nicht nehmen werden, denn wir fordern auch weiterhin dazu auf:

Nazis dort blockieren, wo sie marschieren bzw. feiern wollen!

Auch für den Fall, dass die Neonazis unbemerkt den Veranstaltungsort wechseln sollten, sind wir vorbereitet. Weitere Informationen und Karten der Szenarien werden an dieser Stelle veröffentlicht.

www.nazifeste-verhindern.de

Jungle World: Runter von der Spielwiese

In Gera findet jährlich das Festival »Rock für Deutschland« statt. In der Vergangenheit hat es sich zu einem Großereignis der Neonaziszene entwickelt, nun plant ein breites Bündnis die Blockade des Events.

von Till Grefe

Am 10. Juli veranstaltet die NPD zum achten Mal in der ostthüringischen Stadt Gera das Festival »Rock für Deutschland«. Im vergangenen Jahr reisten dafür tausende Neonazis aus ganz Europa an. Gemeinsam mit Gewerkschaften, Jugendverbänden und Parteien mobilisieren Antifagruppen gegen das Rechtsrockfestival, das auf der sogenannten Spielwiese stattfinden wird. Anfang Juni trafen sich die Aktivisten des Bündnisses »Dresden nazifrei« zu einer Bilanz- und Strategiekonferenz, bei der auch über eine mögliche Blockade des anstehenden Nazievents beraten wurde.

Nicht bei allen Teilnehmern fiel die Bilanz dieser Tagung positiv aus. So bemängelte ein Besucher, dass die emanzipatorische Linke in vielen Bündnissen gegen Rechts derzeit nur die Funktion eines Dienstleisters innehabe und sich dem inhaltlichen Minimalkonsens der bürgerlichen Akteure unterordne. Auch die Antifaschistische Aktion Gera (AAG) kritisiert in ihrem Blockadeaufruf den desolaten Zustand der regionalen autonomen Antifapolitik. In den Jahren 2003 und 2004 konnte man bei der Mobilisierung gegen das Festival noch regionale Erfolge verzeichnen, mit der zunehmenden Etablierung des Nazifestivals habe die Solidarität jedoch nachgelassen. Im vergangenen Jahr seien »selbst wenige Kilometer Anreise den meisten Gruppen aus der näheren Umgebung, wie Jena oder Leipzig, zu weit« gewesen. Darüber hinaus skandalisiert die AAG jedoch auch die verbalen Angriffe gegen linken antifaschistischen Protest. So kommentierte der Kommunalpolitiker Dirk Plette vom Wählerbündnis »Arbeit für Gera« im vergangenen Jahr die Mobilisierung gegen »Rock für Deutschland« und warnte, man müsse aufpassen, dass sich nicht wieder solches »Viehzeugs« und »Gesocks« beteilige. Auf Nachfrage der Ostthüringer Zeitung bestätigte er, dass er damit den »linksextremen schwarzen Block« gemeint habe. Auch regionale SPD-Politiker hatten erklärt, es sei » kein Geheimnis, dass Nazikundgebungen und Aufmärsche in gleicher Weise von links­extremen Demonstrationstouristen genutzt werden, um Intoleranz und Menschenverachtung mit gleicher Münze zu beantworten«.

Trotz der Kritik an solchen Positionen setzt man derzeit auf ein breites Bündnis gegen das Nazifestival.

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Till Grefe / 01.07.10 / Jungle World

OTZ: „Stolpersteine“ in Gera gestohlen

Die Polizei ermittelt gegen einen 22 Jahre alten Mann, der in Gera sogenannte Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gestohlen haben soll.
Gera. Zeugen hatten in der Nacht zum Samstag beobachtet, wie ein Mann mit Werkzeug die in einen Fußweg eingelassenen Gedenksteine entfernte, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Die Polizei nahm in unmittelbarer Nähe den 22-Jährigen fest, der Werkzeuge dabei hatte. Zu den Vorwürfen gegen ihn äußere er sich nicht. Der Mann sei einschlägig polizeilich bekannt.

Die fünf gestohlenen Gedenktafeln seien bisher nicht gefunden worden. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um in den Gehweg eingelassene Gedenktafeln (Maße 10×10x10 Zentimeter) zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Gesucht werden weitere Zeugen sowie Hinweise zum Verbleib der Stolpersteine. Es sei nicht auszuschließen, dass mehrere Täter beteiligt waren.

27.06.10 / Ostthüringer Zeitung (OTZ)

Startseiten-Feature auf Indymedia

Am 10. Juli 2010 wollen zum nunmehr 8. Mal Neonazis aus dem gesamten europäischen Raum wieder ihr „Rock für Deutschland“ unter dem Motto „Deutsches Geld für deutsche Ausgaben – Raus aus dem Euro !!!“ in Gera (Thüringen) zelebrieren. Nachdem im letzten Jahr mit der Marke von 4000 (NPD intern ist die Rede von 5000) von Naziseite her ein neuer Besucher_innenrekord aufgestellt wurde und ein kompletter Stadtteil im braunen Sumpf versank, wird es in diesem Jahr breiten antifaschistischen Widerstand dagegen geben.
Dafür mobilisiert der Vorbereitungskreis, der sich aus zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Gruppen aus Thüringen und Sachsen wie der Antifaschistischen Aktion Gera, dem Aktionsbündnis Gera gegen Rechts, dem Aktionsnetzwerk Jena, Weimar gegen Rechts, Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ und vielen mehr zusammensetzt.

Mobilisierung: www.nazifeste-abschalten.tk | www.nazifeste-verhindern.de | www.gera-nazifrei.com

Weitere Informationen: Twitter | Myspace | Kampagnenstart gegen Europas größtes Nazifest | RfD verhindern! Mobi läuft weiter! | Stadtplan | Mobi-Jingle | Mobi-Video

Aktuelles: Brandanschlag auf Opferberatung | Probesitzen des Aktionsbündnis Gera gegen Rechts

Hintergrund: Interview Christian Dornbusch

Rückblicke: 2009: Gera: 4000 Neonazis auf NPD-Fest, „Rock für Deutschland“: „Gera bleibt deutsch!“ 2008: Einmal Nazis? Ständig nur Nazis! 2007: Polizei duldet erneut Neonazikonzert in Gera 2006 Open Air & Demo gegen Nazikonzert in Gera 2005: Massiver Widerstand gegen 3. NPD Open Air, Antifaproteste gegen das NPD-Open-Air in Gera 2003: Aktionen gegen „Blood & Honour“– Konzert am Samstag in Gera

Vorabenddemo: 09.07.2010 | 19 Uhr | Hauptbahnhof – Aktionstag: 10.07.2010 | 8 Uhr | Innenstadt

Indymedia-Feature

OTZ: Aktionen gegen Nazi-Propaganda-Musikfest in Gera

Der Widerstand gegen die Neonazi-Veranstaltungen in Gera in den letzten Jahren reichte nicht aus. Dieses Jahr soll er erfolgreicher sein: Ein Vorbereitungskreis verschiedenster Organisationen plant und leitet die Gegenaktivitäten.

Gera. Am 10. Juli ist es wieder soweit: „Rock für Deutschland“ kommt nach Gera. Wie im letzten Jahr soll die ganztägige Veranstaltung auf der Spielwiese unweit der Geraer Innenstadt stattfinden. 4000 Neonazis waren es damals, die die „national befreite Zone Debschwitz“ abfeierten. Die Stadt und ihre Bürger taten wenig dagegen. Rechtsrockexperte Christian Dornbusch meinte in einem Interview, dass Gera ihm die einzig bekannte Großstadt sei, in der ein solches Nazi-Großereignis in derartiger Qualität und Kontinuität beständig stattfinde.

„Rock für Deutschland“ ist kein normales Festival. Es ist eine Massenveranstaltung, bei der mit Musik und Propaganda um Nachwuchs in einer Bewegung geworben wird, welche die totale Kontrolle über das Individuum zum Ziel hat, die Euthanasie und die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs relativiert oder leugnet.

Der Widerstand dagegen in den letzten Jahren reichte nicht aus. Dieses Jahr soll er erfolgreicher sein: Ein Vorbereitungskreis verschiedenster Organisationen (Aktionsbündnis Gera, Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena, Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, Weimar gegen Rechts und viele mehr) plant und leitet die Gegenaktivitäten. Mehr als 6000 Plakate und knapp 30 000 Flyer sind nach eigenen Angaben bisher überregional verteilt worden. Das Ziel ist klar: Nach den erfolgreichen Blockaden am 14. Februar in Dresden soll nun eines der größten Nazifeste Europas verhindert werden. „Antifaschistischer Widerstand ist nicht extremistisch, sondern extrem wichtig“, wie Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera, sagte.

Losgegangen ist es bereits. Am 3. Juli wurde der Widerstand mit einem Blockadetraining geübt. Morgen von 17 bis 21 Uhr folgt im Jugendhaus Shalom Gera ein Workshop zum Thema: „Rechtsrock made in Gera.“Am 10. Juli ab 8 Uhr beginnen dann die Veranstaltungen gegen „Rock für Deutschland“ unter dem Motto „Stoppen, blockieren, verhindern“.

Kathrin Strowohl / 23.06.10 / Ostthüringer Zeitung (OTZ)